Das Gebäude Oberonstraße 20  im Jahr 1988

Kulturelle Vielfalt im Hammer Westen

 

 

KURZFASSUNG:

Die Kulturwerkstatt Oberonstraße . . .

. . . ist ein selbstverwaltetes und selbstorganisiertes Kulturzentrum. Der Umbau des Hauses Oberonstraße 20-21 zum soziokulturellen Zentrum wurde 1987 mit Mitteln des Landes NRW und der Stadt Hamm durchgeführt. Die Kulturwerkstatt Oberonstraße ist eine offene Begegnungsstätte für Menschen aller Berufs- und Altersgruppen, unabhängig von ihrer Nationalität und sozialen Stellung. Sie schafft Voraussetzungen zur Entwicklung individueller kultureller Ausdrucksformen. Die Kulturwerkstatt ist ein kulturelles  Forum, das Öffentlichkeit für ihre Mitglieder und Nutzerrinnen herstellt, und integriert als soziokulturelles Zentrum unterschiedliche kulturelle Bereiche, Themen und Gruppierungen und fördert insbesondere auch die Zusammenarbeit und Kommunikation.

Auf diesen Seiten erfahren Sie mehr von den ständigen Mietern und Initiativen unter dem Dach der „Kulturwerkstatt Oberonstraße e. V.“


Hoppegarden Logo Stadt Hamm

Die „Kulturwerkstatt Oberonstraße“ und die „Freie Jugendkunstschule“ werden gefördert mit Mitteln des Kulturbüros der Stadt Hamm.  


Unser Partnerzentrum ist das Kulturrevier Radbod in Hamm Bockum-Hövel.

 


 

Ein Stück Kultur in und für Hamm

(lange Fassung)

Die Geschichte der Kulturwerkstatt begann im Jahre 1987. Dr. Milan Walter, damals beim Kulturamt der Stadt Hamm beschäftigt, hatte als erster die Idee, in Hamm ein soziokulturelles Zentrum zu gründen. In anderen NRW-Städten gab es schon einige Beispiele, wie so etwas aussehen könnte. Natürlich rannte man in Hamm nicht gerade offene Türen ein – „Wir sind 762 Jahre ohne so ein Soziokultur-Ding ausgekommen, was sollen wir jetzt damit?“ – trotzdem fand Dr. Walter Befürworter in der Hammer Politik, allen voran die damalige Oberbürgermeisterin Sabine Zech und den damaligen Wirtschaftsdezernenten Dr. Dieter Krämer. Auch der Vorsitzende der SPD-Fraktion Heinz Assmann stand dem Vorhaben positiv gegenüber und ist maßgeblich an dem späteren Erfolg beteiligt. Ein idealer Standort für das Vorhaben „Kulturwerkstatt“ war das frühere Übernachtungsheim der Bundesbahn. Das 1920 erbaute Gebäude im Friedrich-Ebert-Park stand seit Jahren leer, hatte 3000 qm Fläche, viele Räume in den unterschiedlichsten Größen, und sollte entweder abgerissen, oder einer neuen Nutzung zugeführt werden. Die untere Etage war wie geschaffen für eine Teestube, Café oder Kommunikationsraum, und das Außengelände bot eine fantastische Fläche für einen großen Biergarten.

Kulturwerkstatt 1993

Im Sommer 1987 unternahmen Dr. Walter und die „Kunst- und Kulturkooperative e.V.“ (KUKUK) den Versuch, gemeinsam mit anderen Vereinen und Gruppen eine Initiative zu bilden mit dem Ziel, die Gründung eines soziokulturellen Zentrums zu realisieren. Im Januar 1988 gründete die Initiative den Verein „Kulturwerkstatt“. Damit war der erste Abschnitt abgeschlossen, der ausschließlich im Interessenbereich und der Organisationsfähigkeit der Initiative lag. Aus einer „Notgemeinschaft“ zur Raumbeschaffung (Probenräume und Räume für Kulturinitiativen waren schon damals knapp) entwickelte sich eine Kommunikationsstruktur, die neue Wege erst möglich machte. Aus der ursprünglichen Idee, Übungs- und Vereinsräume zu schaffen, wurde eine Institution, die vieles andere zu regeln, organisieren, überzeugen, entscheiden und zu beantragen hatte.

Die SPD als Mehrheitsfraktion hat in der Ratssitzung im April 1988 entschieden, das Projekt „Kulturwerkstatt“ mitzutragen, und dem Verein einen Zuschuss zum Grunderwerb (97.500,- DM) zu gewähren. Damit löste die SPD viel Optimismus und Zuversicht in den Reihen der Kulturwerkstatt aus. Der zweite Schritt bestand darin, den Ratsbeschluss in einen Kooperationsvertrag zwischen der Kulturwerkstatt und der Stadt umzusetzen und diesen vom Regierungspräsidium Arnsberg und dem Landesministerium genehmigen zu lassen. Dieser Vertrag war die Grundlage zur Auszahlung der weiteren, bereits vom Land bewilligten Mittel (600.000,- DM). Das Grundkonzept dieses Vertrages besagte, dass die Kulturwerkstatt Eigentümer und Betreiber zugleich sein wird, wobei die Stadt keine Folgekosten übernimmt, dafür aber die Nutzung des Grundstückes beanspruchen darf. Trotz der positiven Stellungnahme vom RP-Arnsberg lehnte das Land diese Variante ab. Die Kommune müsse Eigentümer, der Verein lediglich Träger und Betreiber des Zentrums sein. Ein Vertrag mit diesem Inhalt wurde formuliert, von allen Seiten akzeptiert und unterzeichnet. Dr. Milan Walter und seine unermüdlichen Mitstreiter (Peter Gestwa, Burkhard Glahe, Dr. Karl Faulenbach u.v.m.) hatten es geschafft. Das Haus wurde umgebaut, und die ersten Mieter konnten einziehen, und mit der Arbeit konnte.

Und das hatte sich der Verein „Kulturwerkstatt“ auf die Fahne geschrieben:

Selbstverwaltung und Selbstorganisation

Begegnungsstätte zu sein für Menschen aller Berufsgruppen, aller Altersgruppen und aller sozialen Schichten, ungeachtet ihrer Nationalität. Im besonderen die Begegnung junger Menschen zu fördern, um rassische, soziale, politische und religiöse Vorurteile zu überwinden.

Ein erweitertes Verständnis von Kultur zu fördern, d.h. durch Präsentation von klassischer Musik bis Rock, Theater, Kabarett und Clownerien, Experimental-Workshops, Sommerfesten, politischen Diskussionen, Informationsveranstaltungen, aber auch geselligem Beisammensein usw., sowie durch Anleitung zur selbstbestimmten individuellen kreativen Arbeit: „Kultur selber machen.“

Soziales, politisches Denken zu ermöglichen, z.B. basisdemokratische Organisationsmodelle, durch die Funktion, politisches Forum zu sein, also Öffentlichkeit für die einzelnen Gruppen und Initiativen herzustellen, durch Projektarbeit im und außerhalb des Zentrums.

Kultur breiten Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen.

Mit im Boot waren ursprünglich die unterschiedlichsten Vereine und Gruppierungen, von der Kunst- und Kulturkooperative (Kleinkunst), über die Musikkooperative (MuKo / Musik), die Seniorentheatergruppe „Die Alternaiven“, die damals von Karl Voß geleitet wurde, die AG Hammer Theatergruppen, die Kindergruppe Berge mit ihrer KiTa „Flohkiste“ sowie das Bildungswerk zur Förderung des Freilichtspiels e.V., ebenfalls von Karl Voß gegründet und geleitet. Voß war auch später der Nachfolger von Dr. Milan Walter als erster Vorsitzender des Vereines Kulturwerkstatt. Unter seiner Leitung entstand auch die bis heute sehr erfolgreich arbeitende „Freie Jugendkunstschule“ der Kulturwerkstatt. 1999 übernahm die Rechtsanwältin Sabine Rosenkranz den Vorsitz von Karl Voß, der aus Altersgründen nicht mehr antrat. Karl Voß starb 2007 im Alter von 83 Jahren. Sabine Rosenkranz ist bis heute erste Vorsitzende. Stellvertreter sind Burkhard Schimschar und Ulrich Holesch.

In den ersten Jahren konnte die Kulturwerkstatt mit sogenannten ABM-Kräften arbeiten. Man hatte also ausreichend Personal, um die selbst gestellten Aufgaben zu erfüllen und stand gleichzeitig auf soliden, finanziellen Füßen, da die Stellen zu 75 Prozent vom Arbeitsamt finanziert wurden. Nach dem Auslaufen des ABM-Programmes stellte der Verein zwei hauptamtliche Mitarbeiter ein – Ulrich Holesch (Foto) und Inka Budde – beide sind noch heute in der Kulturwerkstatt tätig.

Nach Tanja Muschwitz, Thomas Butzlaff und Manfred Jockheck leitet

 

Patricia Klein (Foto rechts) seit Jahren die „Freie Jugendkunstschule“ (JuKu) in Kooperation mit der Stadt Hamm.

Die Räume der Kulturwerkstatt sind seit Jahren komplett vermietet. Elf Musikräume befinden sich im Haus, vier Künstlerateliers , die KiTa „Flohkiste“ und das BTK (Bildungswerk für Theater und Kultur) sind seit 1988 im Hause ansässig, der VDF (Verband Deutscher Freilichtbühnen) kam im Januar 2008 hinzu.

Hoppegarden /A-Bereich

Im Oktober 1991 wurde der HoppeGarden, die „Gute Stube“ des Hauses, eröffnet, ein Jahr später der große Biergarten. Seit dieser Zeit traten auf der Hoppe-Bühne über 800 Bands auf, lokale Gruppen ebenso wie deutsche und internationale Top-Acts. Über 100.000 Zuschauer haben bis heute die Veranstaltungen besucht und der HoppeGarden ist schon lange über die Grenzen des Landes hinaus als eine der ersten Adressen im Rock- und Bluesbereich bekannt.

Luther Allison Bluesband – Hermans Hermits – Götz Alsmann – Birth Control – Spencer Davis Group – Herman Brood – Dr. Feelgood – Albert Lee & Hogan´s Heroes – Long John Baldry – The Taste – Mungo Jerry – Louisiana Red – Little Willie Littlefield – Mitch Ryder – Chicken Shack – Inga Rumpf Band – Chris Farlowe Band – Epitaph – Zeltingerband – Nine Below Zero – The Holmes Brothers – Extrabreit – Edgar Broughton Band, The Pretty Things, Torfrock, Nine Below Zero, The Hamburg Blues Band feat. Maggie Bell & Arthur Brown,  Ten Years After  uvm.

Der erste Pächter der Kneipe, Mike Müller (mit Bettina Hoppe, Janis Tilkiarides u. Michael Reckers) war zehn Jahre lang erfolgreich, zwei Nachfolger scheiterten, und brachten die Kulturwerkstatt in existentielle Schwierigkeiten, die sie nur überwinden konnte, indem das Personal „freigestellt“ wurde, und über ein Jahr lang ehrenamtlich den Betrieb weiterführte.

Kulturwerkstatt 2008

Seit September 2004 betreibt die Kulturwerkstatt den HoppeGarden selbst. 2007 wurde innerhalb des Biergartens ein etwa 80qm großer Terrassen-Bereich eingerichtet, mit herrlichem Blick auf den See des angrenzenden Parkes. (Zwei weitere, kleinere Terrassen folgten 2018). Ebenfalls in diesem Jahr wurde von der Stadt das Gebäude der Kulturwerkstatt

Der Park

für eine halbe Million Euro renoviert, der Biergarten erhielt eine großzügige Terrassentreppe hinunter zum See, das ehemalige Germania-Freibad nebenan wurde zu einem wunderschönen Park umgestaltet und der HoppeGarden erhielt, mit Hilfe von Sponsoren, in Eigenarbeit ein komplett neues Gesicht.

Die Arbeit der Kulturwerkstatt hat sich in den letzten zwanzig Jahren verändert, nicht alle ehrgeizigen Pläne konnten verwirklicht werden, einige Gruppen von damals lösten sich auf, verließen die Kulturwerkstatt, weil sich ihre Ideen mit den sich verändernden Verhältnissen nicht durchsetzen ließen, neue Gruppen und Vereine kamen hinzu. Was blieb, ist Kultur zu machen, in und für Hamm.

Dreißig Jahre Kulturbetrieb, mit verhältnismäßig bescheidenen finanziellen Mittel, fette Jahre in den frühen Neunzigern, magere bis problematische Zeiten gegen Ende der Dekade, kurz vor der Insolvenz gegen Mitte 2004, Aufwärtstrend ab 2005, Renovierung des Gebäudes und des Außengeländes, Renovierung des HoppeGarden in 2008 und 2018, eine bewegte, turbulente, interessante und schöne Zeit.

 

. . . und schau´n wir mal, was da so noch kommt.

 

 

 

Partner und Unterstützer


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